Cool Steps macht die ersten Schritte

Mitte November stellte der Kiezboom e.V. sein Projekt "Cool Steps" den Jugendhilfeträgern im Soldiner Kiez in der Werkstatt im Medienhof vor. Die sogenannten Cool Stepper sind seit einigen Wochen in Zweierteams abends im Kiez unterwegs, um gezielt auf Jugendliche zuzugehen, aber auch in schwierigen nachbarschaftlichen Situationen vermittelnd tätig zu sein. Die Träger der freien Jugendhilfe waren von dem Projekt angetan, weil es sich insbesondere auch an Jugendliche im Kiez wendet, die keine der derzeitig gemachten Angebote nutzen. Doch wie sehen die allabendlichen Rundgänge der jungen Männer aus? Was erleben sie? (Foto: Das Logo auf den Jacken der Cool Stepper ist weithin sichtbar)


Unterwegs mit "Cool Steps"
Ein nasskalter Abend im SoldinerKiez. In der Koloniestraße treffen wir Rabih Mohamad und Gaith Wehbevon  "Cool Steps", einem Projekt des Kiezboom e.V., der sich im Weddingvorwiegend um Jugendliche mit Migrationshintergrund kümmert. Die beidenjungen Männer fallen durch ihre Erscheinung auf. Dicke Jacken mit dem"Cool Steps"-Logo, Ausweise, die am Revers heften, olivgrüne Hosen,festes Schuhwerk und Taschenlampen. (Foto: Die Cool Stepper treffen eine Gruppe Jugendlicher vor einem Kiosk)

Gerade hat eine Gruppejunger Mädchen sie auf ein paar Männer aufmerksam gemacht, die in derNachbarschaft öfter mit Drogen dealen und die sich in einenunbeleuchteten Park verzogen haben sollen. Gaith geht voran undleuchtet mit seiner Taschenlampe den Weg. Eine dunkle Gestalt ruft"Hallo, guten Abend!" Zurückhaltend grüßen die Cool Stepper zurück. Derjunge Mann kommt näher, im Schein der Taschenlampe erkennt ihn Mohamad."Na, macht ihr wieder eure Runde?" Mohamad nickt und fragt, ob sich derÄrger mit dem Nachbarn gelegt habe. "Ja, das ist jetzt besser. Der istnicht mehr so laut. Gut, dass ihr mit ihm gesprochen habt." Hinterhererzählen die Cool Stepper, dass sie in der vergangenen Woche zu einemNachbarschaftsclinch hinzu kamen und durch ein längeres Gesprächvermitteln konnten. "Meist kommt man zu einer Lösung oder einemKompromiss – wenn man nur ruhig bleibt", meint Rabih Mohamad.
Abendlicher Lärm
Probleme in den Abendstunden bereitet oft der Konsum von Alkohol und Drogen, insbesondere dann, wenn Nachbarn durch Musik, Fernseher oder Streitereien belästigt werden. "Dann fehlt es schon mal am kühlen Kopf, der mit einer gewissen Gelassenheit um Ruhe bittet", so Mohamad. Doch das sind eher Lappalien für die Cool Stepper, die ansonsten gezielt auf junge Menschen im Kiez zugehen, die in den Abendstunden Parks, Hinterhöfe und Spielplätze bevölkern. Einige dieser Jugendlichen sind gewaltbereit. Die Jugendeinrichtungen im Kiez nutzen sie aus unterschiedlichsten Gründen nicht. "Viele hängen einfach nur auf der Straße ab, weil zuhause kein Platz ist, um sich mit Freunden zu treffen", erklärt Rabih Mohamad. (Foto: Rabih Mohamad kennt manche Gewerbetreibende seit seiner Kindheit)

Wie sein Partner Gaith Wehbe ist auch er im Soldiner Kiez groß geworden. Die Jugendlichen, die wir an diesem Abend treffen, kennen die beiden und behandeln sie mit großem Respekt. Immer wieder kommt die Freizeitgestaltung zur Sprache. Die beiden Cool Stepper erzählen, welche Angebote Kiezboom, aber auch andere Jugendeinrichtungen machen. Sabrina (14) treffen wir mit ihrer Freundin auf der Soldiner Straße. Sie ist stolz, dass sie in Mathe wieder eine Drei geschrieben hat. Sie will die Schule schaffen, auch wenn sie in ihren Gedanken viel öfter beim Tanzen ist. "Rufste mich an, wenn die neue Streetdance-Gruppe startet?", bittet sie Mohamad. "Klar doch. Aber bleib am Ball mit Mathe!" ruft er, während Sabrina schon wieder in der Dunkelheit verschwindet.


Warten auf die Polizei
Rabih Mohamad ist einer von vier Cool Steppern, die in zwei Teams von Montag bis Samstag jeweils von 16 bis 21 Uhr im Soldiner Kiez unterwegs sind. Sie sollen präventiv auf Jugendliche einwirken, aber auch bei Konflikten von Anwohnern vermitteln und bei Gefahrensituationen die Polizei informieren. Gegen 21 Uhr ist eigentlich Dienstschluss. Doch heute geht die Schicht ein wenig länger. An einer Lagerhalle blinkt das Alarmlicht rot. Die Cool Stepper rufen die Polizei. Lange tut sich nichts. Angeblich sei die Zivilstreife schon zweimal an ihnen vorbeigefahren, ohne sie ausmachen zu können, behauptet die Funkzentrale. Trotz offensichtlichem Frust bleiben die beiden Cool Stepper gelassen. Endlich kommt die Streife. Die beiden Beamten kennen "Cool Steps" noch nicht, sind aber schnell eingenommen von der Professionalität der jungen Männer. Für die Polizisten hat die Nachtschicht gerade begonnen. Die Cool Stepper haben jetzt endlich Feierabend. (Foto: Ein cooles Team: Rabih Mohamad und Gaith Wehbe)

Ein
e Bürgersprechstunde von "Cool Steps" findet immer montags von 17 bis 19 Uhr in den Räumen des Soldiner Kiez e.V., Soldiner Str. 43, statt.
 
"Cool Steps" wird aus Mitteln des Programms Soziale Stadt gefördert.

Kiezboom e.V. hat seinen Sitz in der
Reinickendorfer Str. 32
13347 Berlin
Tel. 030-4611 2878
www.kiezboom.de

Sonya Kraus, Fotos: SK