Ein Fernrohr auf der Prinzenallee?

Anfassen, Ausprobieren, Sehen – das Konzept der Studenten zielt vor allem auf das Erleben des Kiezes. Sie wollen öffentliche Plätze schaffen, wo sich Menschen gern aufhalten – besonders auch Kinder. Die These der angehenden Stadtplaner: Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien werden oft nicht ausreichend in den Planungsprozess mit einbezogen. (Mehr über das Projekt hier)


Überraschende Ergebnisse
Deshalb zogen die Studenten zwei Tage lang mit den Kindern und Jugendlichen des Breakdance-Kurses im Nachbarschaftshaus Prinzenallee 58 durch den Kiez. Mit Kameras ausgerüstet sollten die Kids ihre Liebling- und unbeliebten Orte dokumentieren. Zur Überraschung der Stadtplaner kamen dabei ganz unerwartete Aussagen zum Vorschein: Die Panke bekam eine schlechte Wertung: schmutzig, dunkel, zu viel Alkohol, Drogen und Gewalt in der Nähe.

Sonnendeck und Naturlehrpfad
Die 15 Studenten haben die Wertungen der Kinder aufgegriffen und in drei Teilkonzepten Lösungsvorschläge gemacht:
  1. Der Pankegrünzug: Durch Leuchten im Uferraum soll mehr Licht geschaffen werden, vor allem für die Spielzeit in der Dämmerung; es soll unter anderem Spieloasen geben und eine große Freitreppe zum Bach.
  2. Kinder werden im Kiezgebiet durch den Verkehr von der Straße verdrängt. Es sollen Anziehungspunkte geschaffen werden, Orte, zu denen sie hingehen können, um zu spielen. Spielgeräte, bunte Litfasssäulen, ein Fernrohr auf der Prinzenallee – normale und verrückte Ideen, die Anstoß geben sollen.

"Soldiner Platz"
3. Es gibt nach Ansicht der Studenten keinen richtigen Platz im Soldiner Kiez. Geeignet dafür wäre das Gebiet um die Soldiner Brücke. Schon heute halten sich auch Erwachsene gern in der Nähe des dortigen Spielplatzes auf. Da könne man einen Platz anlegen, Platten und Hölzer verlegen und so etwas wie ein Sonnendeck installieren, meinen die Studenten.

"Kohle" muss her
Trotz aller wilden Ideen – auf dem Boden der Tatsachen sind die Studenten geblieben. "Da muss Kohle fließen", sagt Michael Pinetzki (24). Das Quartiersmanagement wird das Konzept bei der nächsten Sitzung der Gebietskoordinatorin und dem Senat vorstellen. Die Ideen, einen Naturlehrpfad entlang der Panke zu gestalten und Spielplätze miteinander zu vernetzen, treffen auf großes Interesse beim Quartiersmanagement.

Verantwortung durch Beteiligung
Die Studenten ihrerseits haben ihr über zwei Semester laufendes Projekt jetzt beendet. Sie haben keine Zeit mehr zu prüfen, ob ihre Ideen überhaupt umsetzbar sind. Stephanie Marsch (23) kann es sich aber gut vorstellen, mit Künstlern und Schulen an der Umsetzung zu arbeiten. Das Fazit? Partizipation lohnt sich und macht Spaß. Denn durch Beteiligung entsteht Verantwortung. So wird vielleicht nicht jeder neugestaltete Ort wie der Grünstreifen der Grüntaler Straße (Foto) aussehen: vermüllt und mit Graffiti besprüht.

ka Fotos: Katrin Arnholz/Studenten Stadtplanung TU Berlin