Elterntreffpunkt Schule

Um einen runden Tisch herum sitzen acht Eltern aus der Carl-Kraemer-Grundschule. Eine türkische Mutter beklagt sich darüber, dass die Sitzordung in der Klasse ihrer Tochter ständig geändert werde, dass daher ständig Unruhe in dieser 2. Klasse herrsche. Sie spricht schlecht deutsch und fällt, wenn es komplizierter wird, ins Türkische. Dann übersetzt ein Vater den anderen, was sie sagt. Ob sie sich schon einmal an die Elternvertreterin der Klasse gewendet habe? Die, eine Frau aus dem Kosovo, kommt gerade zur Tür herein. Sie verabredet, gemeinsam mit der Lehrerin zu reden. "Und wenn es da noch Probleme gibt, dann kommen Sie zu mir", meint schließlich Ammar Hassan, der Sozialpädagoge, der für den Deutschen Kinderschutzbund jeden Mittwochmorgen das Elterncafé in der Carl-Kraemer-Grundschule betreut.

Er spricht deutsch, türkisch und arabisch und kann deshalb in solchen Situationen gut vermitteln. "So machen wir es immer", erklärt Ammar Hassan später: "Wir ermutigen die Eltern zuerst dazu, selbst die Probleme anzugehen, stehen dann aber für weitere Hilfe zur Verfügung." (Foto: Eltern im Austausch)

Dreimal wöchentlich geöffnet
Seit den Herbstferien ist das Elterncafé in der Carl-Kraemer-Grundschule geöffnet, jeden Montag, Dienstag und Mittwoch zwischen 8 und 10 Uhr treffen sich hier Eltern und besprechen sich, holen sich Rat und Unterstützung. Fünf engagierte Eltern haben einen Raum als Café ausgebaut. Auch in den anderen beiden Grundschulen im Kiez werden derzeit, finanziert über das Programm Soziale Stadt, vom deutschen Kinderschutzbund und Eltern solche Elterncafés aufgebaut und gemeinsam mit den IntegrationslotsInnen aus dem Nachbarschaftshaus Prinzenallee betreut.


Kooperation mit dem Kinderschutzbund
Außerdem werden mehrsprachige Elternabende durchgeführt, in denen sich die Eltern über die Entwicklung der Kinder informieren können und Probleme bei der Erziehung angesprochen werden. In einem nächsten Schritt soll auch der Elternkurs "Starke Eltern - starke Kinder", den der Deutsche Kinderschutzbund entwickelt hat, angeboten werden: auf deutsch, türkisch, arabisch und bei Bedarf auch in andere Sprachen übersetzt.
 
Heute ist Erhan Düzel gekommen, direkt von der Nachtschicht bei Mercedes. Er ist Elternsprecher der Schule und hat den Boden des Elterncafés verlegt. "Viele türkische Eltern scheuen davor zurück, Erziehungsprobleme anzusprechen," erzählt er. "Selbst wenn es um so etwas Normales geht, wie dass es manchmal schwierig ist, die Kinder zu Bett zu bringen. Und dann ist es gut, wenn es einen Ort gibt, wo man darüber reden kann."
 

Neutraler Ort für die Eltern
Der Sozialpädagoge Ammar Hassan hält es für wichtig, dass das Elterncafé von den Eltern als neutraler Ort wahrgenommen wird und nicht als Teil des Schulbetriebes. Er spricht von regelrechten Blockaden zwischen Eltern und Schule, die man ansonsten nicht auflösen könne. "Viele haben zum Beispiel Angst davor, dass das Jugendamt eingeschaltet wird und einem die Kinder weggenommen werden, wenn die Lehrer mitbekommen, dass man Probleme zuhause hat." Und er warnt davor, zu schnell zu große Erfolge zu erwarten: "Es wird einige Zeit dauern, bis sich unter den Eltern herumgesprochen hat, dass sie hier Unterstützung erfahren können." (Foto: Wilhelm-Hauff-Grundschule in der Gotenburger Straße)

Langfristige Perspektive
Alle Eltern, die heute anwesend sind, haben Kinder in der ersten oder zweiten Klasse. Auch an anderen Schulen ist die Bereitschaft, sich aktiv mit der Schule auseinanderzusetzen, bei den Eltern von Schulanfängern weit größer als später, wenn die Kinder nicht mehr zur Schule gebracht werden und der persönliche Kontakt langsam abbricht. In der Carl-Kraemer-Grundschule sind zu den Elternversammlungen der ersten Klassen, so berichten die Anwesenden, fast alle Eltern erschienen. Vielleicht gelingt es ja, mit dem Elterncafé dieses Engagement länger aufrecht zu erhalten.



cs, Grafiken: evk, Fotos: MvH, SK