Erste Soldiner Kiezversammlung

Bei der ersten, vom Soldiner Kiez Verein organisierten Kiezver-sammlung am 18. April 2004 ging es nur um eins: den Frust im Kiez. Unter dem provokativen Motto "Angst und Dreck – wann ziehste weg?" waren Kiezbewohner eingeladen, Auswege zu suchen. Dafür warb der Soldiner Kiezverein mit seinem Stand am Samstag vor der Versammlung. (Foto)
 
Rückblick: Alles fing damit an, dass sich auf der Soldiner Kiez-Konferenz im vergangenen September eine Projektgruppe von Bürgern bildete, die das Thema "Angst und Dreck..." in unserem Kiez zur Diskussion mit den Kiezbewohnern stellen wollte. Keine Verwaltung, keine Institution, kein Beschluss kann das Problem für uns lösen. Angst und Dreck gehen alle an. Wenn wir offen und ohne etwas zu beschönigen darüber sprechen, werden wir auch etwas ändern können.

Schüler der Andersen-Grundschule für den Kiez
Die Andersen-Grundschule, mit ihrem Schulleiter an der Spitze, unterstützte die Kiezversammlung.
- Die Aula wurde zur Verfügung gestellt (und das noch in den Ferien).
- Die Technik wurde zur Verfügung gestellt und extra aufgebaut.
- Ein Zeichen- und Gestaltungswettbewerb zum Thema "Mein Haus/ Mein Nachbar/ Mein Kiez" wurde  unter den Schülern durchgeführt.
- 15 Schüler meldeten sich für die Einstudierung eines Theaterspiels in vier Szenen mit dem Titel  "Leute auf den Straßen in unserem Kiez" (Foto).

Fleißig wurde geprobt und einstudiert - selbst zu Hause, denn es blieb nur wenig Zeit. In den Szenen treten ein Hundebesitzer, deutsche Nachbarn, türkische Nachbarn und Kinder auf. Es geht um Hundedreck, Müll, der einfach fallen gelassen wird und um Vorurteile. Die kleine Theatergruppe wurde mit großem Beifall belohnt.

Podiumsdiskussion auf Augenhöhe
Nach der Vorstellung des Kindertheaters lichteten sich die Reihen der Besucher. Zur Podiumsdiskussion blieben dann leider nur noch die Hälfte der Zuschauer, etwa 50 Personen.
In der Diskussion ging es sofort zur Sache. Genau, wie wir es uns gewünscht hatten. Teilweise war die Auseinandersetzung konträr, laut, direkt und wütend. Aber das muss auch so sein, wenn man die Dinge beim Namen nennt. Vor allem die Präventionsbeauftragte für den Soldiner Kiez von der Polizei musste sich gleich zu Anfang viele wütende Fragen gefallen lassen: Wo ist der KOP? Was haben Alkoholiker auf Spielplätzen zu suchen?
Hoch her ging es auch bei dem Thema Hundedreck und Hundeauslaufplatz oder dazu, was man gegen die Aggressivität der Jugendlichen tun kann und dagegen, dass immer mehr Deutsche wegziehen. Auf drei Tafeln wurden die Punkte festgehalten: auf den roten Karten "Was nicht gefällt", auf den gelben "Was ist noch zu tun?" und auf den grünen Karten "Was gefällt". (Foto)
 
Resümee zum Weitermachen
Heraus kam die einhellige Meinung: wir Kiezbewohner müssen selbst etwas gegen Angst und Dreck tun. Wir müssen unseren Forderungen Nachdruck verleihen: der Forderung nach besserer Beleuchtung des Pankeweges zwischen Soldiner und Gotenburger Straße, nach mehr Präsenz und aktivem Eingreifen der Polizei, nach einem Hundeauslaufgebiet, nach Projekten für arbeitslose Jugendlichen um Schutz und Sauberkeit unseres Kiezes, nach dem Aufeinander-Zugehen der Vereine ...

Die Ergebnisse der ersten Kiezversammlung zusammengefasst:
1. Die Bilder der Kinder werden für das Kiezforschungsprojekt verwendet.
2. Die Präventionsbeauftragte der Polizei stellte sich den Einwohnern vor.
3. Der 3.10. als Tag der Offenen Tür der Moscheevereine sollte auch von den anderen Vereinen des Soldiner Kiezes als solcher genutzt werden.
4. Der Kiezverein unterstützt zwei Projekte: ein Filmprojekt über den Kiez und ein Job-Vermittlungs-Projekt im Kiez.
5. Es wird sich wohl bald ein Verein der Hundebesitzer des Kiezes gründen.

Das ist doch schon ein erster Schritt! Jetzt machen wir dort weiter. Am 10. Mai um 19:00 Uhr ist in der Soldiner Str. 43 das Nachtreffen zur Kiezversammlung.

Vielleicht haben auch Sie Lust, Ihre Ideen, Sorgen und Ihr Mittun einzubringen. Dann kommen Sie doch einfach zu den Treffen des Soldiner Kiez Vereins, jeden dritten Mittwoch des Monats um 17:45 Uhr in die Soldiner Str. 43. Oder sie besuchen uns dort beim Nachbarschaftsfrühstück des Multitreff jeden Donnerstag.


Karin Ruddigkeit, Leiterin der AG und Mitglied des Soldiner Kiezvereins