Ferienprogramm im Kinderclub

Fröhliche Kinderstimmen auf der Grüntaler Promenade. "Vorsicht, dass ich die Bälle nicht verliere," ruft ein junger Jongleur während ein paar andere Kinder viel zu nahe an ihm vorbei tollen. Sekunden später dann das Malheur: die Bälle wollen noch nicht immer so, wie der kleine Meister es will. "Ach, dabei habe ich schon so viel geübt," seufzt er. Der Junge ist einer von rund 50 Grundschülern, die ihre Sommerferien zuhause im Kiez verbringen und das Ferienangebot des Kinderclubs wahrnehmen. (Foto: Artistik trainiert Motorik und Konzentrationsfähigkeit)


Gut besuchtes Programm
"Wir sind, wie immer, gut ausgelastet," sagt Linda Zimmermann, die mit ihrer Kollegin Carola Knauft seit über zwei Jahren den Kinderclub in der Soldiner Straße 5 leitet. Begonnen hat alles mit dem Spielmobil, mit dem Carola Knauft jahrelang durch Berlin getourt ist. Auf der Grüntaler Promenade lernten die beiden Pädagoginnen ihre Sprösslinge während der Sommerferien kennen, als das Spielmobil dort Halt machte. Für diese Kinder ohne Nachschulbetreuung, die keinen Hort besuchen und deren Eltern kaum Möglichkeiten haben, sich um sie zu kümmern, wollten sich die beiden Frauen stark machen. Zu Beginn war der Freizeitladen an zwei Nachmittagen in der Woche geöffnet, es gab acht ehrenamtliche Mitarbeiter und schon jede Menge Kinder. Mittlerweile ist das Angebot deutlich ausgeweitet.

Phantastisches Sommerwetter
Auch während der Sommerferien bietet der Kinderclub ein buntes Programm. Zwei Wochen lang werden auf den Grüntaler Promenaden "Picknick & Spiel" und "Picknick & Kunst" veranstaltet. Nach einer Pause geht es zum Ende der Ferien mit dem bewährten Spielmobil weiter. "Der Besuch des Spielmobils ist definitiv ein Highlight für unsere Kinder," so Carola Knauft. "Bei schlechtem Wetter findet das Spielmobilprogramm in unseren Räumlichkeiten statt, aber daran ist bei diesen Temperaturen ja kaum zu denken," so die 50jährige weiter. (Foto: Das Malen im Park ist ein voller Erfolg)

Der Werbung für sein Programm bedarf der Kinderclub eigentlich nicht. Trotzdem möchten Carola Knauft und Linda Zimmermann von ihrer Arbeit berichten. Öffentlichkeitsarbeit sehen die beiden als Möglichkeit, dem Kiez zu zeigen, wie viel eine kleine Gruppe Menschen bewegen kann. Die amerikanische Anthropologin Margret Mead hätte ihnen recht gegeben: "Unterschätze nie, was eine kleine Gruppe engagierter Menschen tun kann, um die Welt zu verändern. Tatsächlich ist das das einzige, was je etwas bewirkt hat," soll sie einmal gesagt haben. (Foto unten: Beim Programm "Picknick & Spiel" an der Grüntaler Promenade)

Grenzen der Ehrenamtlichkeit erreicht
Die beiden engagierten Frauen haben viel bewegt in dieser Zeit. "Die Einrichtung ist zum festen Bestandteil des Betreuungsangebots im Viertel geworden," so Quartiersmanager Reinhard Fischer. Nicht zuletzt deshalb konnte das Projekt mit Mitteln aus dem Programm "Soziale Stadt" unterstützt werden. Ein strukturelles Problem konnte bislang allerdings nicht nachhaltig gelöst werden, die Finanzierung. Man kann die ehrenamtlich geleisteten Stunden im Kinderclub wohl kaum mehr zählen. Auf die Frage, weshalb sie die Arbeit trotz chronischen Geldmangels mache, hat Linda Zimmermann eine einfache Antwort: "Weil der Bedarf da ist und sich sonst niemand um die Kinder in diesem Gebiet der Soldiner/Grüntaler Straße kümmert." (Foto: Kunstprogramm auf der Wiese)

Reinhard Fischer sieht ebenfalls die Diskrepanz zwischen Bedarf und Finanzierbarkeit. "Die meisten Gelder für die der Kinderclub im Moment in Frage kommt, sind einmalige Projektfinanzierungen." Insbesondere für neue Einrichtungen in der Jugendarbeit ist es schwierig, die Finanzen auf sichere Beine zu stellen. Daran arbeitet Linda Zimmermann, die sich nun verstärkt um Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising kümmert.



Ein Wermutstropfen bleibt doch. Während Sozialpädagogin Carola Knauft je nach Finanzlage teilzeitlich bezahlt werden kann, muß Linda Zimmermann ab August wieder anderswo eine bezahlte Halbtagsstelle als Erzieherin antreten. "Die Grenzen der Ehrenamtlichkeit sind erreicht," so die 26jährige.

Lob aus der Nachbarschaft
Eine Nachbarin des Kinderclubs, die anonym bleiben möchte, lobt das selbstlose Engagement der beiden Frauen. "Von den Bewohnern hier im Kiez wird deren Arbeit doch einfach als selbstverständlich hingenommen und viel zu wenig gewürdigt," so die Anwohnerin. Doch Zimmermann bleibt bescheiden. Sie strahlt Optimismus aus und blickt mit einer großen inneren Ruhe in die Zukunft. Auch wenn es auf den ersten Blick schwer fallen mag zu verstehen, woher sie ihre Kraft nimmt, so scheint sie damit eine Schlüsselfähigkeit zu verkörpern, den die Arbeit mit den Kindern im Kiez braucht: unendliche Geduld. Ihr geht es um jedes einzelne Kind und darum, jedem den bestmöglichen Start zu geben. "Mir ist die Bildung der Kinder wichtig," sagt sie. (Foto: Malen mit den Fingern bietet auch ein sensorisches Erlebnis)


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Kontaktadresse:
Kinderclub

Soldiner Straße 5
13359 Berlin
Tel. 434 24 83
 
www.kinderclub-berlin.de

Sonya Kraus, Fotos: Linda Zimmermann