Kiezimage - Was ist dran am schlechten Ruf?

Auf der Kiezversammlung am 5.11.04 ging es um den Ruf des Soldiner Kiezes. Die Kiezforscher-Gruppe um Thomas Kilian stellte Binnensicht und Außenwahrnehmung gegenüber, die sie in qualitativen Interviews abgefragt hatte. Das Thema bringt Bewegung in den Kiez, es kamen über 100 Interessierte in die Aula der Andersen-Grundschule. Die vielschichtigen Ergebnisse belegen, daß die Wahrnehmung der Bewohner die soziale Benachteiligung des Kiezes nicht ausklammert, sie aber trotzdem gern im Soldiner Kiez leben und wohnen bleiben wollen.
In der Diskussion verwies Professor Häußermann auf einen Vorteil des schlechten Image. Durch wiederholte negative Berichterstattung wird die Politik auf den Stadtteil aufmerksam und auch aktiv. Frau Nothdorf lobte die Vernetzungsarbeit, die durch das Quartiersmanagement im Kiez entstanden ist. Die DEGEWO begegnete dem allgemein formulierten Vorwurf der verantwortungslosen Vermietungspolitik in den letzten Jahrzehnten mit der Ankündigung, daß ab 2006 wieder Hauswarte eingestellt werden sollen. Ein weiteres Mittel, um die Bewohnerstruktur positiv zu beeinflussen, ist die Studentenaktion.

An der anschließenden Podiumsdiskussion mit dem Stadtsoziologen Prof. Hartmut Häußermann und Sozialstadtrat Dr. Christian Hanke beteiligten sich zahlreiche Bürger mit Wortmeldungen. Ebenfalls auf dem Podium waren Petra Nothdorf von der Senatsverwaltung und Herr Schönrock von der DEGEWO.
Deutlich eingefordert wurde auch das soziale Engagement der Bewohner. Eigeninitiative und Zivilcourage sind unabdingbar für eine positive Entwicklung im Kiez. Sozialstadtrat Dr. Hanke verwies auf die hohe Fluktuation bei Zu- und Wegzügen in bzw. aus dem Kiez. Durch diese Schwierigkeiten entstehen keine stabilen Nachbarschaften.
Die Kiezforscher sind zufrieden mit dem Ergebnis, der Soldiner Kiez e.V. wird das Thema weiter verfolgen. Abschließend wurde auf eine Veranstaltungsreihe zur Bürgerbeteiligung hingewiesen.

nibo, Fotos: Matthias von Hoff