Kiezläufer: "Hertha wird Weltmeister!"

Wie sind Sie auf diesen Beruf gekommen?
Werner Blesing: "Den haben wir uns selber ausgesucht. Aus dem einfachen Grunde, dass wir mitbekommen haben, wo es hier krankt in unserer Region und da haben wir uns unseren Beruf selbst zugeschnitten."
(Foto: li. Werner Blesing, re. Peter Manasse)

Würden Sie sich noch einmal für diesen Beruf entscheiden?
Peter Manasse: "Na klar. Das kann man gar nicht bereuen."

Was denken Sie, was für Fähigkeiten für diesen Beruf benötigt werden?
Werner Blesing: "Soziales Engagement, einen guten Überblick und eine gewisse Ausstrahlung..."
Peter Manasse: "...und man muss auf jeden Fall mit Menschen umgehen können. Nicht von oben herab, sondern man muss immer auf Augenhöhe bleiben."


Wie lang ist Ihr Arbeitstag?
Peter Manasse: "Wir fangen um sieben Uhr an und dann geht es bis um 15.30 Uhr."

Jeden Tag?
Peter Manasse: "Nee, außer freitags, da haben wir dann eineinhalb Stunden früher Schluss." (Foto: Werner Blesing)

Gibt es Höhen und Tiefen an einem Tag oder in einer Woche?
Peter Manasse: "Die Höhen sind, wenn ich die Kinder morgens sehe und die Tiefen sind am 15., wenn ich das Geld bekomme." (lacht)

Kannten Sie sich gegenseitig schon vorher?
Peter Manasse: "Neenee, wir kannten uns vorher nicht."

Unternehmen Sie etwas besonderes in Ihrer Freizeit? Vielleicht etwas zusammen?
Peter Manasse: "Freizeitaktivitäten habe ich fast gar keine mehr. Ich bin froh, wenn ich nach Feierabend die Füße hochlegen kann. Ansonsten Hobbys: Hertha BSC."

Sind Sie beide Fußballfans?
Unisono: "Ja!"


Gab es schon einmal eine gefährliche Situation?
Peter Manasse: "Nee, eigentlich nicht."

Könnten Sie sich in einer solchen Situation wehren?
Werner Blesing: "Wir können uns gut wehren, aber ich denke nicht, dass wir es hier nötig haben."
Peter Manasse: "Schon, in dem Moment wo ich selber angegriffen werde, beschütze ich meinen Leib. Wenn hier jemand aggressiv ist, dann ist es meist durch Alkohol, dann geht es hier rein, da raus. Am nächsten Tag knöpfen wir uns ihn dann vor. Aber meistens sind sie dann einsichtig und entschuldigen sich." (Foto: Peter Manesse)
 
Wenn einer von Ihnen mal nicht kann, übernimmt dann der andere einfach seine Rolle oder brauchen Sie dann einen Ersatz?
Werner Blesing: "Urlaub nehmen wir grundsätzlich zusammen, da sprechen wir uns vorher ab. Wenn mal einer krank ist, dann macht eben der andere weiter."
Peter Manasse: "Wir haben eigentlich so eine gute Arbeitsmoral und wir wissen, dass wir eh nur ein Zwei-Mann-Team sind, dann hat der eine sowieso ein schlechtes Gewissen und versucht schnell wieder auf Arbeit zu kommen."
 

Springt jemand ein, wenn sie beide im Urlaub sind?
Peter Manasse: "Nein, in der Zeit ist dann keiner da. Es kann ja auch keiner übernehmen, weil die Bevölkerung diesen nicht ernst nehmen würde." (Foto: Die Kiezläufer)

Aber in dieser Zeit passiert trotzdem nicht mehr als sonst?
Peter Manasse: "Nee, es kann ja auch keiner wissen, dass wir Urlaub haben. Wir sind dann zwar für  zwei oder drei Wochen nicht zu sehen, die wundern sich zwar, aber bevor sie wieder anfangen irgendetwas anzustellen, sind wir ja wieder auf der Straße."

Können Sie türkisch?
Peter Manasse: "Nö, Straßentürkisch können wir. Außerdem ein bisschen arabisch, russisch und auch italienisch und französisch. Immer so das Nötigste."

Hat sich Ihre Meinung vom Kiez im Laufe der Jahre geändert?
Peter Manasse: "Nee, noch nie, weil ich immer eine gute Meinung hatte und jetzt ist sie noch positiver, als sie vorher schon war. Es gibt zwar immer noch Schmuddelecken, aber die gibt es überall in Berlin."
Werner Blesing: "Selbst im Grunewald."
 



(Foto: Auch die Panke wird von den Kiezläufern in Augenschein genommen)
Sind Ihnen die Bewohner des Kiezes ans Herz gewachsen?
Peter Manasse: "Ja, alle. Es gibt zwar immer noch welche, auf die könnten wir verzichten, aber im Großen und Ganzen haben wir die Menschen gerne. Deswegen machen wir das ja auch. Die Bewohner wurden hier die letzten 25 Jahre vom Bezirksamt im Stich gelassen!"
Werner Blesing: "Und wenn man das so sieht, wie die Entwicklung der Kinder zum Beispiel, dann konnten wir beide ja auch Einfluss auf diese nehmen. Das sind Kleinigkeiten, wie den Müll in den Mülleimer zu werfen und nicht in die Panke. Durch unsere Kontakte kennen wir hier fast jeden, das hilft enorm."

Wie lange sind sie schon Kiezläufer?
Werner Blesing: "Fünf Jahre."
 
Sind Sie im Kiez beliebt oder eher unbeliebt?
Peter Manasse: "Nein, denn die Leute begreifen, dass wir ihnen helfen wollen. Denn wir beschützen die Kinder von jedem hier und das wird uns ganz hoch angerechnet. Für einige sind wir fast schon Vorbilder."
 
Haben Sie einen Überblick, wie viele Kilometer Sie an einem Tag zurücklegen?
Peter Manasse: "Früher haben wir mal so gesagt 25, vielleicht ist das auch leicht übertrieben. Ich sage mal so jetzt im Schnitt zwischen zwölf und 15 Kilometer am Tag, natürlich abhängig vom Geschehen."
 
Als letzte Frage: Wer wird Weltmeister?
Werner Blesing: "Deutschland!"
Peter Manasse: "Ne doofe Antwort?"
 
Ja, warum nicht?
Peter Manasse: "Hertha!"



Mirco Baumhoff, Fotos: MB