Offene Türen für Auszubildende

Auch dieses Jahr wieder stehen viele Schulabgänger vor der Frage: Was will ich werden? Werde ich einen Ausbildungs-platz finden? Oft werden Schüler erst in der 9. und 10. Klasse mit dem Thema Berufswahl konfrontiert. Das ist zu spät, meinen Experten aus Industrie und Handel. Vom 8. bis 10. Juni hatten deshalb Jugendliche die Möglichkeit, Unternehmen im Soldiner Kiez zu besuchen und die tägliche Realität des Traumeberufes zu "schnuppern". Sie konnten den Meister kennenlernen, Fragen stellen und sich persönlich für ein Praktikum oder einen Ausbildungsplatz bewerben.
 
Beruf: Werkzeugmacher
Elvis (Foto rechts) will einen technischen Beruf erlernen, so viel weiß der 19-jährige schon. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Lehrer von der Breitscheidt-Oberschule schaute er sich die Firma Nikschtat Metallbau in der Drontheimer Straße an. Bis vor drei Jahren wurden hier Werkzeugmacher ausgebildet. Weil die letzten drei Lehrlinge alle ihre Ausbildung abgebrochen haben, stoppte der Betrieb sein Ausbildungsprogramm. Elvis war der erste Bewerber, den die Firma seither empfangen hat.

Inhaber Norbert Nikschtat erklärte an einzelnen Werkstücken, was es bedeutet, Werkzeugmacher zu sein. Der aus Südamerika stammende Jugendliche machte auch gleich einen guten Eindruck: Er zeigte ein Werkstück, dass er bei einem Praktikum selbst angefertigt hat. Fazit: Elvis ist zu einem weiteren Gespräch bei Nikschtat eingeladen worden. Bis dahin muss er aber noch eine schriftliche Bewerbung einreichen.
Beruf: Kfz-Mechaniker
Auch für Tobias war das Treffen mit Egon Schirmer von der Firma Auto Fit Schirmer ein Erfolg. Der Jugendliche wird im Sommer als Praktikant bei den Kfz-Mechanikern angestellt. Vielleicht ergibt sich daraus sogar ein Ausbildungsverhältnis. Für den Unternehmer Schirmer sind die Schulnoten Nebensache. Denn wenn richtiges Interesse bestehe, sagt er, könne man dem Lehrling immer noch vieles beibringen. Oftmals mangelt es aber schon am Verhalten: Sauberkeit und Ehrlichkeit lassen zu wünschen übrig, Teamarbeit und Kommunikation sind Fremdwörter. Für Tobias ist das alles kein Problem. Der Schüler konnte schon bei einem Austauschprogramm in Holland die Arbeit im Team erproben sowie seine handwerklichen Fähigkeiten unter Beweis stellen.
Austausch mit Holland
Hartmut Fieger ist Organisator des deutsch-niederländischen Schüleraustauschs. Es ist ein Projekt der Europäischen Union. Den Ausbildungstag, der Teil der im Mai gestarteten Ausbildungsoffensive Wedding ist, hält er für eine gute Idee. "Es ist die wirkungsvollste Strategie, an einen Ausbildungsplatz zu kommen, wenn sich ein Schüler persönlich vorstellt", sagt Fieger. Besonders Jugendliche mit erweitertem Hauptschulabschluss, wie ihn die Schüler der Breitscheidt-Oberschule haben, müssten auf dem Arbeitsmarkt stärker unterstützt und gefördert werden.
 
Auf dem Weg zum Traumberuf
Der Ausbildungstag also ein Erfolg? In vielen der über 50 Betriebe, die an den drei Tagen für Gespräche offen standen, hat sich niemand gemeldet. Für einige jedoch war die Aktion ein Glückstreffer: Der 18-jährige Gregory hat sich dadurch ein Praktikum in seinem Traumberuf organisiert. Er will Tischler werden. Er arbeitet gern mit Holz und hat schon in seiner alten Heimat, der Ukraine, gemeinsam mit Vater und Großvater eine Sauna gebaut. Ende Juli fängt er bei der Tischlerei Rothe in der Gerichtsstraße an. Dann muss er sich beweisen. Wenn alles klappt, hat Gregory seinen Ausbildungsplatz in der Tasche.

ka Fotos: sl/mb