"Prinz Oslo" – Kiezprojekt erregte die Gemüter

Mit der Kolonie Wedding endete am vergangenen Samstag das Intermezzo des "Prinz Oslo" im Innovationszentrum Christiania. Das ursprünglich auf die Dauer der Fußball-WM zeitlich begrenzte Projekt konnte nicht in die Verlängerung gehen. Betreiber Heiko Schmidt ist sauer. Nachdem er mit der Fußball-WM eine für ihn erfolgreiche Testphase bestanden hatte, war er bereit, dauerhaft zu mieten und sich an der geplanten Genossenschaft zu beteiligen. "Ich stand voll hinter der Idee und hätte mich gerne an diesem Standort eingebracht", so Heiko Schmidt. (Foto: Betreiber Heiko Schmidt)
Mietergemeinschaft hat Bedenken
Dem entgegen standen die Mieterinteressen der im Hause ansässigen Kulturschaffenden. Sie waren auf einer Versammlung Mitte September gefragt worden, wie die Testphase für sie verlaufen sei und ob sie sich eine Hausgemeinschaft mit Heiko Schmidt vorstellen könnten. "Die Absage der Mieter war eindeutig", so Brita Wauer, Geschäftsführerin der L.I.S.T. GmbH und Initiatorin des Innovationszentrums. Das Haus sei aus Mietersicht für öffentlichen Publikumsverkehr in mehrerlei Hinsicht nicht geeignet. Sicherheitsbedenken stünden bei vielen im Vordergrund. Außerdem fänden gastronomische Konzepte im Haus keine Mehrheit. "Jeder feiert gerne mit Heiko, aber wer möchte denn einen Club im eigenen Haus?" fragt eine Mieterin. (Foto: Turm der Christiania by night)

Keine Vermittlung gesucht
Quartiersrat Vinzenz Fengler sieht die Sache anders: "Ich bin sehr sauer, wie hier mit Heiko Schmidt umgegangen wird. Der Kiez braucht dringend eine Einrichtung wie das 'Prinz Oslo' und davon hätte man die Mieter überzeugen müssen." Er selbst sei vom Quartiersmanagement als Mediator ausgebildet worden. Eine Chance, die in diesem Fall komplett ungenutzt geblieben sei. "In einem öffentlich geförderten Raum wie der Christiania muss man doch allen eine Chance geben", findet Fengler. Andernfalls entstünde der Eindruck, die Mieter hielten sich für etwas Besseres.

Testphase konnte Mieter nicht überzeugen
Seitens der Mieter werden massive Bedenken gegen das "Prinz Oslo" ins Feld geführt. Die Testphase während der WM sei geprägt gewesen von Lärm, übermäßigem Alkoholkonsum, Müll in Treppenhaus und Eingängen – von kulturellem Anspruch keine Spur. "Einmal mussten wir morgens vor unserer Tür Bierleichen entfernen", erzählt ein Mieter. Ihm sei das peinlich gewesen, denn der eigens aus München angereiste Kunde hätte dafür wenig Verständnis gehabt.


Bedauern im Kiez
Thomas Kilian vom Soldiner Kiez e.V. wünscht sich mehr Transparenz. "Wilde Gerüchte machen hier die Runde und dem Quartiersmanagement wird großes Versagen vorgeworfen", so der 39-jährige Sozialwissenschaftler. Im QM sieht man sich zu Unrecht in der Kritik. Immerhin wurde Heiko Schmidt in der Vergangenheit von Mitteln aus dem Programm Soziale Stadt gefördert, zuletzt bei der Fußball-WM mit dem "Prinz Oslo". "Ich persönlich finde es total schade, dass Heiko nicht bleiben darf", sagt Quartiersmanagerin Nicola Boelter am Samstagabend auf der Kolonie Wedding. Zwar sind sowohl das QM als auch die Christiania Projekte der L.I.S.T. GmbH, die Christiania wird aber weder über das QM noch aus Soziale Stadt-Mitteln gefördert. (Foto: Thomas Kilian)

Schwieriges Jahr
Heiko Schmidt hat in diesem Jahr schon Rückschläge einstecken müssen. Das "Holz+Farbe" in der Prinzenallee 58 bleibt nach der Beschwerde einer Mieterin vorerst geschlossen. Im "Kaffee Schmidt" in der Schererstraße beschädigte Anfang Juli ein Kurzschluss mit starker Rauchentwicklung die Kegelanlage. "Für mich lag die Zukunft im Prinz Oslo", so Schmidt. Das QM nimmt er mittlerweile in Schutz. "Ich weiß, dass ich hier vor Ort Unterstützung finde."


Gute Stimmung bei Abschiedsparty
Am Samstagabend ist die Stimmung im Prinz Oslo gut wie eh und je. Die derzeit hoch gehandelte Reggae Formation "N.R.G. Vibes" heizt dem Publikum ein. Der internationale Akt um den in Peru aufgewachsenen Sänger Marcus erfreut die Besucher der Kolonie Wedding, deren Abschlussparty traditionell im "Holz+Farbe" stattfand und die sich nun eine neue Heimat suchen muss. Am Eingang begrüßt Heiko Schmidt seine Gäste persönlich. Ein betrunkener Gast wird freundlich eingelassen obwohl er sich kaum noch auf den Beinen halten kann. Schmidt erntet skeptische Blicke. Achselzuckend fragt er in die Runde "Wieso sollte ich nun ausgerechnet ihn ausschließen?" (Foto: Gute Laune im "Prinz Oslo")

Und wie weiter?
...fragen sich derzeit viele im Kiez. Das QM hat Heiko Schmidt Unterstützung bei der Suche nach möglichen Alternativen zugesagt. "Schließlich", so resümiert Quartiersmanagerin Nicola Boelter, "ist die Kolonie Wedding ohne rauschende After Party inzwischen unvorstellbar."


Historie
Das ehemalige Umspannwerk der Bewag, heute Vattenfall, stand seit 1997 leer. Im Jahr 2005 wurde dort im Rahmen gewerblicher Wirtschaftsförderung das Projekt Christiania angesiedelt. Das Projekt soll Kulturschaffenden aus den Bereichen Fotografie, Design, Film, Musik und Theater günstige Arbeitsmöglichkeiten bieten und für die dauerhafte Ansiedlung ihrer Unternehmen im Soldiner Kiez gewinnen. Projektträger ist die  L.I.S.T. GmbH, die das Haus zur Zeit im Auftrag der Eigentümerin (Vattenfall) vermietet und die Gründung einer Genossenschaft anstrebt. Weitere Informationen hierzu auf der Website des Innovationszentrums unter www.christiania.de .
Sonya Kraus, Fotos: SK