Problemverdrängung durch Verlagerung

"Scheiße, Arschloch, fick' deine Mutter" und anderes Geschrei. Am Ende der Jugendsendung eine schwache Stimme, die eindringlich zu sagen versuchte, daß man solche Wörter n i c h t sagt. Ich wandte mich vom Bildschirm ab, vor dem sechs bis acht türkische Kinder im Alter zwischen acht bis zwölf Jahren saßen. Diejenigen, die diese Wörter noch nicht kannten, hatten sie jetzt immerhin gelernt und wiederholten sie nicht ohne Begeisterung. (Foto: Bei der Lesung "Achterbahn" im Jahr 2004 im Medienhof)

Deutsch auf dem Schulhof für alle: Pausen von fünf bis fünfzehn Minuten haben wenig mit besser "Deutsch verstehen und sprechen lernen" zu tun. Die Unterrichtssprache ist ja Deutsch! Hier wird meiner Meinung nach durch die Verdrängung innerer Mängel eines Schulsystems die Verlagerung dieser Mängel auf fremdsprachige Kinder vorgenommen, die ihresgleichen sucht.

Nicht die Forderung nach mehr und gut ausgebildetem Lehrpersonal, z.B. auch mehrsprachig, steht im Vordergrund! Dafür ist angeblich kein Geld da, jedoch für Milliarden Euro verschlingende Bauwerke!

Aber nein! Kindern ohne Heimat bzw. in einer "fremden Heimat" wird durch diese Maßnahme die Herabwürdigung ihrer Sprache vermittelt. Wenn man jedoch, aus welchen Gründen auch immer, in einem anderen Land lebt oder leben muß, bleibt nur die Heimatsprache als Heimat übrig.


 
Dorothee Neserke ist Lyrikerin und wohnt seit vier Jahren im Soldiner Kiez


Dorothee Neserke Foto:Matthias von Hoff