Solidarisierung zeigt Wirkung

Wie der Berliner Anwaltsverein (BAV) mitteilte, wird die aus der Türkei stammende Frauenrechtlerin Seyran Ates wieder als Anwältin arbeiten. Bereits am 11. September waren entsprechende Gespräche mit Ates geführt worden, die im Frühsommer ihre Anwaltszulassung zurückgegeben hatte und ihre Kanzlei in Mitte auflöste. Die Ehemänner ihrer meist türkischen Mandantinnen hatten sie zunehmend verbal und körperlich bedroht, so dass sie um ihre Sicherheit fürchtete. (Foto: Seyran Ates)

Welle der Soldidarität
Über den Berliner Anwaltsverein ließ Frau Ates mitteilen, dass sie von der Solidarität, die ihr von vielen Menschen und auf sehr vielen Ebenen entgegengebracht wurde, überwältigt sei. Die 43-jährige wird ein Angebot annehmen, das ihr vom Deutschen Juristinnenbund und dem Berliner Anwaltsverein unterbreitet worden war. "Wir werden für Frau Ates eine Anwaltssozietät suchen, in der sie ihre Arbeit weiterführen kann", sagte der BAV-Vorsitzende Ulrich Schellenberg. Derzeit würden Gespräche mit drei verschiedenen Partnern geführt. Ates werde ab 2007 wieder als Rechtsanwältin tätig sein. "Sie hat immer allein praktiziert. In einer größeren Kanzlei ist sie geschützter." Ihre Entscheidung, ihre Arbeit fortzuführen, sei ein Erfolg der Solidarität.
 
Justizsenatorin Karin Schubert (SPD) reagierte erleichtert. "Ich freue mich sehr, dass Seyran Ates ihre Tätigkeit als Anwältin wieder aufnehmen und sich der Belange der muslimischen Frauen wieder annehmen wird", sagte sie. "Das öffentliche Interesse an ihrer Tätigkeit zeigt, wie viel Rückhalt sie in der Gesellschaft findet."

Die Berliner Grünen und die FDP fordern nun von Polizei und Justiz, alle Möglichkeiten auszuschöpfen um Frauen wie Ates zu schützen.
SK, Foto: Seyran Ates/privat