Stipendium für Soldiner Kiezschreiber vergeben

Der Soldiner Kiez hat erstmalig einen Kiezschreiber. Das vom Quartiersmanagement Soldiner Straße ausgelobte und von Förderband e.V. Kulturinitiative Berlin betreute Stipendium erhielt die freie Journalistin und Autorin Tina Veihelmann. Ab September wird sie zehn Monate lang ein Büro im Gebiet beziehen und den Soldiner Kiez beschreiben. (Foto: Kiezschreiberin Tina Veihelmann) 

Das Stipendium wurde von einer Jury vergeben, der Journalisten der taz, der Berliner Zeitung, der Deutschen Welle, der Radiosender Radio Eins und 88,8 sowie Vertreter des Quartiermanagements, der AG Kiezschreiber und des Projektträgers Kulturinitiative Förderband e.V. angehörten. Die Resonanz auf die Ausschreibung war mit 104 Bewerbungen unerwartet groß.


Grauzonen beleuchten
"Wir bedanken uns für die zahlreichen und qualitativ hochwertigen Bewerbungen," so Nicola Boelter vom Quartiersmanagement Soldiner Straße. "Ich bin überzeugt davon, dass Tina Veihelmanns Arbeit im kommenden Jahr dem Kiez neue Impulse geben wird." (Foto: Veihelmanns Dokumentationsarbeit im deutsch-polnischen Grenzgebiet)
 
Die Jury hat sich für die 35-jährige Autorin entschieden, weil sie in ihrem Konzept aus den unterschiedlichsten Perspektiven ein Bild des Alltags zusammensetzen will, das für alle "lesbar" sein soll: "Es geht mir nicht um Befindlichkeiten, sondern um ein spezielles Wissen, das diejenigen haben, die mit den politischen Entscheidungen und ökonomischen Verhältnissen tatsächlich umgehen müssen. Sie erleben die Folgen und Nebenwirkungen politischer Entscheidungen. Deshalb ist es auch wichtig, die Grauzonen zu beleuchten. Die Arbeit und Kultur neuer Selbstständiger ist für mich ebenso interessant wie die von Zigarettenschmugglern oder Imbißverkäuferinnen. Diese Leute sind empfindliche Seismographen für Entwicklungen."


Neuer Ansatz
Es geht Tina Veihelmann und den Initiatoren der Ausschreibung vor allem um die Vermittlung zwischen dem Soldiner Kiez und der Öffentlichkeit. Tina Veihelmann: "Im Soldiner Kiez sieht jeder nur, was er immer schon wusste. So vermittelt sich nur Altbekanntes, man dreht sich im Kreis. Es soll aber nicht mehr nur über den Soldiner Kiez gesprochen werden: Er soll selbst sprechen. Der Soldiner Kiez hat etwas mitzuteilen. Mit den Problemen wird hier gelebt. Das Wissen, das die Bewohner darüber besitzen, wird benötigt." (Foto: Über Grenzen hinweg zu arbeiten ist ein Anliegen von Tina Veihelmann; aus "Aurith-Urat")
 
Tina Veihelmann stammt aus dem unterfränkischen Werneck und studierte Politologie und Germanistik an der FU Berlin. Sie war vier Jahre lang Redakteurin der Berliner Stadtzeitung scheinschlag und schreibt derzeit regelmäßig unter anderem für die Wochenzeitschrift Freitag und die taz. In Kürze erscheint ihr erstes Buch "Aurith-Urad. Zwei Dörfer an der Oder", das Ergebnis einer einjährigen Mikrostudie eines Doppeldorfes, das durch den deutsch-polnischen Grenzfluss geteilt ist.


Sonya Kraus, Foto: Steffen Schuhmann