Suchthilfeeinrichtung zieht in den Kiez

Strahlendes Sommerwetter und Straßenfestatmosphäre begleiteten die Eröffnungsfeierlichkeiten von Haus Phönix, einer neuen Einrichtung für suchtfreies Wohnen im Kiez, am vergangenen Freitag. Viele Besucher gaben sich ein Stelldichein, darunter auch der Bezirksstadtrat für Gesundheit und Soziales, Dr. Christian Hanke, der das neue Projekt im Wedding in seiner Ansprache offiziell willkommen hieß. (Foto: Feststimmung vor dem neu eröffneten Haus Phönix)
Auf gute Nachbarschaft
Ende der neunziger Jahre erhitzten drei Asylbewerberheime in der oberen Koloniestraße die Gemüter, da sich Anwohner gestört fühlten. Eine Bürgerinitiative erwirkte mit ihren Protestaktionen die Schließung der Wohnheime. Das Haus Nummer 76 stand nun einige Jahre leer und schien dem Verfall geweiht zu sein. Ganz unbeachtet war das Objekt aber nicht geblieben. Nachdem Suchthilfeträger Haus Phönix Pankow im eigenen Bezirk kein geeignetes Haus für eine Erweiterung seiner Projekte finden konnte, wurde man auf den Leerstand in der oberen Koloniestraße aufmerksam. In der Folge gelang es dem Träger, wie schon in Pankow, alle Beteiligten rasch an einen Tisch zu bringen. Michael Frings, Sozialpädagoge und starke Kraft im Haus Phönix, erinnert sich: "Es war klar, dass es einer Anstrengung aller bedarf und so waren bereits beim ersten Treffen im Rathaus auch Vertreter der Nachbarschaftsinitiative Obere Koloniestraße und der Polizei dabei." (Foto: Manche der hellen Zimmer verfügen über einen Balkon)



Unbürokratische Hilfe
Ein Teil des Erfolgrezepts scheint zu sein, dass das Team von Phönix aus Ex-Usern besteht. Aus eigener Erfahrung kennen sie die Probleme von Nüchternwerden und Nüchternbleiben. Trotzdem wird großer Wert auf eine qualifizierte Ausbildung gelegt. Claudia Sikora, Leiterin der neuen Einrichtung: "Ich selbst bin von Beruf Krankenschwester, andere sind Pädagogen oder Therapeuten." Ihr ist es wichtig, dass das Haus offen ist für alle, die suchtfrei leben wollen. "Hier wird im Bedarfsfall schnell und unbürokratisch geholfen. Uns geht es um die Menschen und nicht darum, Aktenberge anzusammeln," so die sympathische Hausleiterin. (Foto: Claudia Sikora)



Guter Ruf eilte voraus
Stadtrat Dr. Hanke und Suchthilfekoordinator Kolling hörten sich zuerst bei den Pankower Kollegen um, was dort die Erfahrung mit den äußerst engagierten und tatkräftigen "Phönix Leuten" sei. Handke bei der Eröffnung: "Es hat uns natürlich gefreut, dass Ihnen und Ihrer Arbeit nur Lob voraus eilte." Leider sei dies keineswegs selbstverständlich in der Branche. (Foto: li. Stadtrat Dr. Hanke, re. Michael Frings beim Festakt)
 
Michael Frings bedankte sich beim Aktionsfonds des QM Soldiner Straße für die finanzielle Unterstützung zur Anschaffung eines Computers für die Bewohner. "Das Angebot im eigenen Haus die Jobsuche und das Schreiben von Bewerbungen unterstützen zu können, sind ein großer Gewinn," so Frings.


Sonya Kraus, Fotos: SK