Zwei Jahre Kinderclub

Die achtjährige Nuri zündet sorgfältig eine Kerze nach der anderen an. Die Kerzen stecken in kleinen, runden Schokokuchen. Die anderen Mädchen und die vier Erzieher warten, bis Nuri fertig ist. Das Licht wird ausgeschaltet. Alle singen: "Happy Birthday, lieber Kinderclub". Die Kerzen werden ausgepustet, es wird zappenduster. "Können wir jetzt essen?", ruft die achtjährige Matthea. Das Licht geht an, und alle dürfen - endlich! - den Kuchen kosten.

Der Kinderclub feiert Geburtstag
Heute, am 8. Februar 2006, wird der Kinderclub in der Soldiner Straße 5 zwei Jahre alt. Als vor zwei Jahren alles begann, war der Freizeitladen an zwei Nachmittagen in den Woche geöffnet, es gab acht ehrenamtliche Mitarbeiter und schon jede Menge Kinder. Denn die Leiterin des Clubs, Linda Zimmermann (Foto oben), sowie die Pädagogin Carola Knauft, kannten die Jungen und Mädchen schon: vom Spielmobil, das im Sommer auf der Grüntaler Promenade ist.

Viel Arbeit für Ehrenamtliche
Mittlerweile ist der Club für etwa 80 Kinder aus dem Kiez zu einer festen Anlaufstelle geworden. Angebote gibt es an drei Nachmittagen der Woche, und mit Mitteln der "Aktion Mensch" konnte 2005 eine tägliche Hausaufgabenhilfe aufgebaut werden. Obwohl es nun zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen gibt, Linda Zimmermann und Carola Knauft, ruht die Arbeit noch immer auf den Schultern von acht Ehrenamtlichen.

Kinder ans Herz gewachsen
"Mir sind die Kinder ans Herz gewachsen", sagt Miriam Gewinner, eine der freiwilligen Mitarbeiterinnen, die seit dem Anfang dabei ist. "Ich habe in den letzten zwei Jahren beobachtet, wie sie groß geworden sind. Als ich einmal ein halbes Jahr aussetzen musste, haben mir die Kinder richtig gefehlt!"

Strenge Auswahl
Wer mitmachen will als Helfer im Kinderclub muss strenge Kriterien erfüllen: pädagogische Erfahrung, persönliche Eignung und die Einstellung werden geprüft. "Hier sind die Kinder weder minderwertig noch nervig, sondern wir begegnen ihnen mit Herzlichkeit", sagt Zimmermann. "Wir betreuen nicht nur, wie bilden."

Besser in der Schule
Durch die tägliche Hausaufgabenhilfe haben sich einige Kinder tatsächlich schon in der Schule verbessert. Mit den Eltern wird abgesprochen, dass die Mädchen und Jungen den Kinderclub-Betreuern ihre Zeugnisse zeigen dürfen. Veränderungen können so nachvollzogen werden. "Im Kinderclub darf auch nur Deutsch gesprochen werden", erläutert Zimmermann weiter. Aus neun verschiedenen Ländern kommen die Eltern der Kinder, die regelmäßig in den Kinderclub gehen. Zuhause wird kaum Deutsch gesprochen. "Wir machen hier viel Sprachförderung auf spielerische Art", erklärt Zimmermann. "Das merken die Kinder gar nicht."

"Viele schöne Ideen"
An der Wand des Kinderclubs hängen bunte Kreise, auf die die Club-Regeln geschrieben sind. Sie wurden mit den Kindern gemeinsam erarbeitet. Klauen, Schreien, Ärgern, Drohen sind verboten, genauso wie auf den Tischen zu hüpfen oder krümeliges Essen zu essen. Dafür darf man spielen, tanzen, lachen, basteln und Kuchen backen. Die Kinder kommen gern, die meisten schon von Anfang an. "Hier gibt's viele Spiele", ruft Nuri. "Und die Leute haben viele schöne Ideen!"

Verhalten bei Konflikten vorleben
"Stop-Tanz" ist besonders populär (Foto). Heute tanzen die Mädchen zu arabischer Musik, die Nuri mitgebracht hat. Das nächste Mal wollen sie Musik aus Sri Lanka hören. Die Kultur der Kinder zu respektieren und einzubeziehen, ist für die Betreuer sehr wichtig. Dabei müssen sie sich aber auch mit Erziehungsmethoden auseinandersetzen, denen sie nicht zustimmen. "Das Beste ist es immer noch, dass wir den Kindern vorleben, dass wir sie bei Konflikten nicht anschreien oder schlagen", sagt Zimmermann. "Sie sehen dadurch hoffentlich eine Alternative, wie sie es selbst später anders machen können."

Manchmal wird es heikel
Enge Wohnverhältnisse und viele Geschwister - das scheint die Situation vieler Kinder im Kiez zu sein. Manchmal kommt es auch im Kinderclub zu heiklen Situationen. "Es passiert, dass wir angespuckt werden, gekratzt, beschimpft", erzählt Zimmermann. "Wenn ein Kind die Atmosphäre negativ beeinfluss, andere köperlich und verbal verletzt, muss es raus." Dann passiert es schon mal, dass ein Kind auch herausgetragen werden muss. Die Mitarbeiter wollen für die Kinder einen geschützten Raum schaffen, wo sie Vertrauen entwickeln können - einen Ort, wo sie immer hingehen können.

Suche nach Sponsoren
"Ich habe seit Ende meines Studiums den Wunsch gehabt, die Tür aufzumachen und da zu sein für die Kinder, die es brauchen", sagt Carola Knauft, die heute 50 Jahre alt ist. 20.000 Euro Mimimum kostet es im Jahr, diesen Ort am Laufen zu halten - auch wenn viel Arbeit ehrenamtlich getan wird. Der Kinderclub hat daher im Januar 2006 einen gemeinnützigen Verein gegründet und sucht nach Sponsoren sowie privaten Spendern.

Bis morgen!
Es ist 18 Uhr. Nuri, Matthea und die anderen Mädchen sind gegangen. Zwei Jungen pressen ihre Nasen an die Glasscheibe der Tür zum Kinderclub. Sie winken, rufen "Hallo" und wollen unbedingt wissen, was morgen passiert. "Wir feiern Party!", ruft Linda Zimmermann. "Party?!", fragen die Jungen mit großen Augen - und schon sind sie weg.
 
Kinderclub
Offener Freizeitladen für Schüler
Soldiner Str. 5
13359 Berlin
www.kinderclub-berlin.de



Katrin Arnholz Fotos: Matthias von Hoff